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Freitag, 21. September 2007

A4-Monolog, innen (Part IV)

A4-innenDie Nacht ist lange, aber viel zu kurz, in dem langsamen Zug, der mich durch zwei Länder schaukelt und trotz weicher Wolldecke nicht schlafen lässt, mit dem dicken Engländer gegenüber, der mit gekrümmten Füßen über die Dunkelheit wacht, während seine elfenhafte FreundinTochterSchwesterNichte sich auf zwei Sitzen zusammenrollt, und ich, ich stelle mich schlafend, um nicht reden oder in Augen schauen zu müssen, drehe mich auf drei Sitzen zur Seite und harre mit geschlossenen Augen der Minuten. Um sechs Uhr morgens, als der Zug endlich in der Heimat einfährt, stehe ich auf und ziehe die schwarzen Chucks wieder an, als die Sonne aufgeht und fröstelnde Morgenkälte mich einhüllt, aber die Müdigkeit verpufft, und ich laufe durch die schlafende Stadt, komme endlich an, wo meine Seele seit drei Tage auf mich wartet und keine Ahnung hat, was in drei Tagen alles passieren kann. Die Welt hat sich gedreht, wurde durchgerüttelt von einem Urknall, der zwar bitter nötig war, aber doch so überraschend kam, dass er meine Stimme zittern und mich an meiner Menschenkenntnis zweifeln ließ. Bleibt alles anders, meine Uhr wird neu gestellt, doch erst muss ich sie aufziehen, ob ich die Kraft dazu habe, wird sie mir sagen, wenn sie wieder anfängt zu ticken, momentan steht sie, und das ist auch gut so, die Zeit soll jetzt im Nichts festhängen und erst wieder vergehen, wenn ich es will, und diese Zeilen widme ich meiner Lieblings-Kollegin, die in den letzten drei Tagen fast zur Anti-Kollegin wurde, aber nur fast und nur ein paar Minuten lang, denn offene Worte und leere Gläser haben uns geheilt, Averna sei Dank, und HerrSchröderHerrSchröder is back in heart – nastrovje und GinGin. Und dann, wenn die Welt sich weiterdreht, obwohl sie gerade auf dem Kopf steht und dabei schwankt, dann gibt es Menschen, die einen auffangen, mit Worten, Wärme und Weisheit, und diese Menschen sind das Pflaster auf dem Urknall, das mit Liebe lindert, was andere mit Boshaftigkeit zufügen, und wenn die Blätter dann fallen, werde ich umarmen und herzen und munden, denn Kreuzberger Nächte sind lang. Der Tee, der mich schläfrig machen soll, wird lau, die Füße sind kalt und Herr Jauch trägt eine Brille, seit wann eigentlich?, während die Studentin mit 8000 Euro das Studio räumen muss, weil sie eine Frage nicht beantworten konnte, an die ich mich nicht mal mehr erinnere, es ging um Gemüse oder Obst, und das mochte ich noch nie, meine Früchte ernte ich anders. Es ist tatsächlich soweit, ich werde mein erstes Mal hinter mich bringen, hoffentlich besser als das andere erste Mal, als ich am Tag danach erfuhr, dass ich Sex gehabt hatte, aber nun geht es nicht um Körperlichkeiten, sondern um Worte, und ob meine reichen werden, wird sich zeigen, ich werde springen ohne Sicherheitsnetz, aber das mache ich seit drei Tagen auch, seit der Urknall kam und mich fallen lässt. Und eigentlich ist das doch kein A4-Monolog, denn ich habe drei Mal abgesetzt, um mit flatternden Lidern auf den Fernseher zu starren, ohne Bilder aufzunehmen, ich bewege mich in Zeitlupe und warte auf die Müdigkeit, damit sie mich mitnimmt auf die Reise nach Morgen, wo hoffentlich die Knochen weniger schmerzen und das Gefühl weniger wird, wie jeden Tag, an dem ich bete, dass es vergeht, damit ich bleiben kann, wo ich hingehöre.

Nellas Niemandsland

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